Schlußerklärung von P. Franz Reinisch

Schriftliche Schlußerklärung Franz Reinischs an das Reichskriegsgericht

 

"Zum Feldurteil vom 7. Juli 1942 in der Strafsache gegen den Soldaten Franz Reinisch 3./San.Ers.Abt. 13 Bad Kissingen, bittet der Verurteilte, folgende Schlußergänzung machen zu dürfen.

Da es heute im Kampfe gegen den Bolschewismus umd die Erhaltung des christlichen Glaubens und der deutschen Heimat geht und, wie in der Hauptverhandlung der Herr Senatspräsident selbst erklärte, auch um die Erhaltung des christlichen Abendlandes, so glaubt der Verurteilte unerschütterlich an seiner bisherigen Beweisführung festhalten zu müssen. Denn es wird die Kriegszeit vornehmlich dazu benutzt, um in der Heimat den Glauben an den Gott-Menschen Jesus Christus - wie es ungezählte Beispiel beweisen - dem Volke und besonders der Jugend aus dem Herzen zu reißen, wodurch die Soldaten an der Front - durch ihren Urlaub wie durch die Briefe ihrer Angehörigen belehrt - in ihrer Wehrkraft gewaltig erschüttert werden. Aus Rußland kamen Fronturlauber wie Verwundete, durchweg Familienväter, und erklärten mir: "Was hat unser Kämpfen für einen Sinn? Wir kämpfen gegen den Bolschewismus des Auslandes, für den Bolschewismus in der Heimat", z. B. Entfernung der Cruzifixe aus den Schulen, Aufhebung der Klöster und Schließung derer Kirchen usw. Der Verurteilte ist kein Revolutionär, d.h. Staats- und Volksfeind, der mit der Faust und Gewalt kämpft; er ist ein katholischer Priester, der die Waffen des Geistes und des Glaubens gebraucht. Und er weiß, wofür er kämpft! - Es läge daher nahe, daß man jene Kräfte zuerst unschädlich machen und zum Tode verurteilen müßte, die diese Zersetzung der Wehrkraft vollziehen. Da aber gerade die gegenwärtige Regierung diesen Kräften nicht im geringsten das Handwerk legt, sondern sie sogar begünstigt, so glaubt der Verurteilte durch die Verweigerung des Treueides auf die gegenwärtige Regierung mehr dem deutschen Volke die Treue in seinem Daseinskampfe zu halten als umgekehrt. -

Er ist daher gerne bereit, für Christus, den König und für die deutsche Heimat sein Leben hinzuopfern, damit Christus der Herr diese antichristlichen-bolschewistischen Kräfte und Mächte des Auslandes wie besonders in der Heimat besiegen möge, auf daß unser Volk wieder werde: ein starkes und freies Gottesvolk inmitten der Völker des Abendlandes."

 

(gez.)

Franz Reinisch

Berlin-Tegel, 25. Juli 1942