Reinisch-Tage 2016

Reinisch-Gedenken zum 74. Todestag

Vallendar, 22.08.2016. Vor 74 Jahren wurde der Pallottinerpater Franz Reinisch in Brandenburg-Görden von den Nationalsozialisten hingerichtet. Auf das Schafott brachte ihn sein Gewissen, das ihm verbat, den Fahneneid auf Hitler zu leisten. Unter den katholischen Priestern im sogenannten „Deutschen Reich“ war er der einzige, der diesen schicksalsentscheidenden Schritt wagte. Viele Gläubige nennen ihn heute „Märtyrer des Gewissens“, obwohl er diesen Status offiziell noch nicht zuerkannt bekommen hat. Der Weg dazu ist jedoch geebnet: am 28. Mai 2013 wurde in Trier der Seligsprechungsprozess für P. Franz Reinisch offiziell  eröffnet.

 

Statio an seinem Grab

 

Am Samstagabend vor seinem Todestag kamen rund 50 Gläubige an P. Reinischs Grab unmittelbar neben dem Urheiligtum in Vallendar-Schönstatt zusammen, um dem mutigen Pallottinerpater zu gedenken und für seine baldige Seligsprechung zu beten.

Der Vize-Postulator des Seligsprechungsprozesses für P. Franz Reinisch, P. Dr. Adalbert Kordas ofmConv., begrüßte neben „Reinisch-Freunden“ aus Deutschland, Österreich und Belgien, auch einige Verwandte des Tiroler Priesters. Reinischs Großneffe Norbert betonte in einer kurzen Ansprache, dass die Entscheidung Franz Reinischs, sich dem Nazi-Regime zu widersetzen, heute von der jungen Generation als Heldentat angesehen werden solle. Mit dem eigenen Leben zu bezahlen und seine Seele nicht zu verkaufen, um mit reinem Gewissen seinem Schöpfer entgegen treten zu können, scheine heute unvorstellbar zu sein. Mit seiner Seligsprechung werde Pater Franz Reinisch auch für kommende Generationen nicht in Vergessenheit geraten.

Gottfried Rießlegger vom „Freundeskreis für Pater Franz Reinisch“ aus dem österreichischen Innsbruck ergänzte die bewegende Statio mit einem Auszug aus einer Predigt des Gefängnisseelsorgers von P. Franz Reinisch, Pfarrer Heinrich Kreutzberg. Dieser hatte anlässlich der Heimholung der Urne mit den Überresten von P. Reinisch aus Brandenburg-Görden über den Umweg Berlin nach Vallendar-Schönstatt am 1. Mai 1946 gesprochen. In seiner Rede schilderte Kreutzberg damals bereits den ungewöhnlichen Lebensweg des Pallottinerpriesters, den er während dessen Haft in Berlin-Tegel betreute hatte.

"Man steht nicht allein!" Mit dieser Aussage habe Pater Franz Reinisch sagen wollen, dass wer sich für Gott und sein Reich entscheidet, in die Gemeinschaft der Kirche Jesu Christi eingebettet ist., so P. Adalbert Kordas in seiner Ansprache. "Das Anliegen von Pater Franz Reinisch war, dass wir gemeinsam Kirche seien. Somit antwortet er mit seinem Glaubenszeugnis bereits vor 74 Jahren auf die gegenwärtige Sorge der deutschen Bischöfe, die uns dazu im August vergangenen Jahres ihren geistigen Impuls in ihrem Schreiben 'Gemeinsam Kirche sein' gegeben haben. Kirche und Gemeinschaft, Heiligkeit und Gnade, Berufung und Sendung, Taufe und Priesterweihe. Pater Franz Reinisch bietet uns bis heute eine Fülle von entscheidenden Überlegungen, die uns auf dem Weg, gemeinsam Kirche sein, begleiten können."

Mit dem Abendsegen endete die Gedenkfeier für P. Franz Reinisch. Musikalisch umrahmt wurde die Statio von Sr. M. Mariengund (Keyboard), Sr. M.  Catherine und Sr. M. Mara (beide Gitarre).

 

 

Gedenkgottesdienst in der Hochschulkirche

 

Gedacht wurde P. Franz Reinisch auch an seinem Todestag, dem 21. August, in einem Gottesdienst in der Kirche der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar. In seiner Predigt beschrieb P. Theo Breitinger, Provinzial der Schönstattpatres, die Eigenschaften einer „faszinierenden Persönlichkeit“. Diese zeichne aus, dass sie etwas Herausragendes, Außergewöhnliches vollbracht und ihr Leben auf beeindruckende Weise bewältigt habe. Ein Mensch mit dem Mut, gegen den Strom zu schwimmen und kompromisslos, geradlinig und treu seinen Weg zu gehen und seinem Gewissen zu folgen. Ein starker Charakter, der sich nicht einschüchtern lasse und furchtlos einem übermächtigen Gegner gegenübertrete. P. Franz Reinisch erfülle all diese Eigenschaften. Mit ihm sei man zu seinen Lebzeiten einem Mann begegnet, der klar und fest, geradezu unbeugsam, geprägt durch seine Heimat Tirol, durch seine Eltern und den Glauben an Christus und Maria, seinem Gewissen folgte.

P. Reinisch habe die Stimme Gottes in seinem Inneren gehört und befolgt. Und das sei eine Umschreibung für “Heiligkeit”, so Breitinger.

Rund 50 Gläubige nahmen an dem Gedenkgottesdienst für P. Franz Reinisch in der Hochschulkirche teil, der von Mitgliedern des Chores „Cantabile“ unter der Leitung von Jürgen Fassbender, Sängerinnen und Sängern des Limburger Domchors und Frank Sittel an der Orgel musikalisch gestaltet wurde.

 

Beide Veranstaltungen wurden per Live-Stream über www.facebook.com/PaterFranzReinisch übertragen. Die Aufzeichnungen sind auch weiterhin dort abrufbar.