Auszug aus der Gedenkpredigt zur Heimholung der Urne von P. Franz Reinisch am 1. Mai 1946 (von Heinrich Kreutzberg)

Vorgetragen von Gottfried Rießlegger

Auszug aus der Gedenkpredigt zur Heimholung der Urne von

P. Franz Reinisch PSM nach Schönstatt am 1. Mai 1946

von Pfarrer Heinrich Kreutzberg, Wuppertal-Barmen.

 

Es war ein langer und schwerer Weg, den P. Reinisch in seinen fast 40 Lebensjahren gegangen ist, ein Weg durch viele Kämpfe und Schwierigkeiten (…): seinen Berufswechsel vom Studium der Jura zur Theologie, die schweren Berufszweifel vor der Subdiakonatsweihe, die abermalige Berufskrisis zu Beginn des Noviziates, die zahlreichen Stellen: in 13 Jahren 13 verschiedene Stätten der Wirksamkeit, Zusammenstoß mit der Gestapo, dann – äußerlich betrachtet – die Katastrophe: seine Einberufung zur Wehrmacht, die Eidverweigerung auf Hitler, Todesurteil, Enthauptung in Brandenburg. Und als sollte der Kampf noch nicht aufhören: Kampf um seine Leiche, Auffindung des Grabes und schließlich der höchst gefährdete Verlust der Urne beim Überschreiten der russisch-englischen Zonengrenze, wo dem Überbringer alles andere außer der Urne verloren gegangen ist.

Und wie oft hat sein Herz geblutet, wenn er als junger Student das Hafenelend, die moderne Entsittlichung der Großstadt in Kiel erlebte, wenn die Leidenschaft des Rauchens ihm zu Beginn des Noviziates fast unbezwingbar erschien, wenn er sich unglücklich fühlte in einer

kleinen Stelle, wo er seine großen und reichen Fähigkeiten nicht recht zur Entfaltung bringen konnte, wenn er in anderthalbjährigem,

schwerem Ringen sich zum Entschluss durchkämpfte, sein Leben freiwillig zu opfern (…)

Er starb als Held und Sieger! Ein Held ist: wer Großes für größeres wagt und einsetzt. Er hat sein Leben gewagt in einer einzigartigen Weise. Nicht, als ob er den Tod gesucht hätte, wohl hat er ihn gewünscht, wohl hat er darum gebetet. „Ich brauche nur ‚Ja‘ zu sagen zum Fahneneid, und sofort wäre alles anders und doch halte ich unbeugsam daran fest, dass es der Wunsch und Wille Gottes ist, dass ich freiwillig den Tod auf mich nehme als Gabe und Aufgabe zugleich.“

Und so groß und so stark er gestorben ist, so groß und so mannhaft war seine Haltung besonders in den letzten Monaten seines Lebens.

So hinterlässt P. Reinisch ein großes Vermächtnis und ein heiliges Erbe: durch sein Beispiel, durch sein Wort und seine Aufzeichnungen (…)

P. Reinisch ist gefallen im Kampf gegen die dämonischen Mächte der Finsternis. Er hat sein Leben Gott und der Gottesmutter angeboten für eine große Blütezeit der Kirche (…) Möge daher das Marienlob, das er uns vorgelebt und vorgebetet hat, weiterklingen an dieser Stätte in den kommenden Jahrhunderten.