Gebet & Abendsegen

Bericht über seine letzten Stunden

zusammengestellt von P. Heribert Niederschlag SAC

P. Franz Reinischs letzte Tage und Stunden im Zuchthaus Brandenburg/ Havel,
aufgezeichnet durch Standortpfarrer Heinrich Kreutzberg in Brandenburg/ Havel am 22. 8.1942.

Jochmann, der den Gefängnispfarrer Scholz in seinem Urlaub vertreten hat, erzählt:

Am Vorabend (Donnerstag) um 20.00 Uhr war die Vollstreckungsverkündung. Die Betreffenden brauchten an diesem Abend nicht wie sonst ihre Kleidung vor die Türe herauszulegen. Für die Eingeweihten ist das das erste Zeichen, was unmittelbar bevorsteht. Im Ganzen sollten 8 Urteile vollstreckt werden, doch wird einer in letzter Stunde nochmals zurückgestellt. Bei der Verkündung erklärt der Staatsanwalt: "Reinisch, Sie gehen also in den Tod Ihrem Wunsch entsprechend." Die Betreffenden erhalten für die letzte Nacht noch etwas zu essen und dürfen noch zwei Briefe schreiben. Auf dem amtlichen Schreiben stand, dass die Leiche Reinischs herausgegeben werden sollte. Doch höre ich zufällig, wie der Staatsanwalt einem anderen Beamten sagt: "Es wird die Leiche eines anderen Mannes freigegeben, nicht die Leiche von Reinisch. Er ist ein fanatischer Gegner des heutigen Staates, der Vater wird morgen Mittag durch die Polizei benachrichtigt werden." – Pfr. Jochmann berichtet: Die Nacht verbringen wir mit Unterhaltung, Gebet und Betrachtung. Mehrere Male wiederholt Reinisch voller Freude: "Es ist doch noch in der Oktav." - Ich las ihm, berichtet Pfarrer Jochmann, einige Psalmen vor. Längere Zeit sprachen wir über den Psalm 76. Auch hatte ich einige Psalm Stellen herausgeschrieben, die wir in betrachtender Weise durchgingen. Er sagte bei dieser Gelegenheit: "Wenn ich zehn Jahre nichts anderes lesen könnte als nur das Neue Testament, dann würde mir das genug sein."

Nach Mitternacht hat er dann nochmal gebeichtet und um 1.00 Uhr mit großer innerer Bewegung die letzte hl. Kommunion empfangen. Er weinte vor Rührung und Freude. Welch selten kindlichtiefe Gläubigkeit er besaß, kam mir so recht zum Bewusstsein, als er plötzlich in dieser Nacht ganz froh ausrief; "Nun denken Sie mal, in wenigen Stunden werde ich den ersten Papst, den hl. Petrus sehen." Immer wieder kreisten seine Gedanken um die Marienverherrlichung. "Die Krönung Maria ist das große zukünftige Problem, dass Maria Königin der Herzen werde, aber nicht sie allein, sondern mit dem ChristKönig zusammen." Dafür will er gerne sein Leben opfern, für die Ausbreitung des marianischen ChristKönig-Reiches und für Deutschland. "Das Mithelfen gibt große Freude! - Keine Todesangst, sondern das Leben aufopfern!" – Auch erzählte er noch, dass sich heute das gleiche Naturereignis wiederholt habe wie am Tage seiner Kriegsgerichtsverhandlung, ein jäher Blitz aus heiterem Himmel --- "ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen." Dazu Pfarrer Jochmann: “Das war das eigenartigste Gewitter, das ich je in meinem Leben gesehen habe. Ein heller Nachmittag. Dann ein Blitzstrahl und das Rollen des Donners. Jedenfalls habe ich so ein Gewitter noch nicht erlebt.

Die Nacht rückt weiter vor. Gegen drei Uhr müssen die Verurteilten ihre letzten Sachen abgeben. In dieser Nacht sind sie ohne Fessel, darum die ständige Aufsicht. Entweder ist der Pfarrer in der Zelle oder ein Beamter. Sie sind keinen Augenblick allein. Reinisch gibt die Briefe ab, das kleine Kreuz, den Rosenkranz, das Tüchlein, worin er das Allerheiligste Sakrament aufbewahrte. Die Vollstreckung für Reinisch ist auf 4.56 Uhr festgesetzt, verzögert sich aber um einige Minuten, da die Särge nicht rechtzeitig da sind. Nach Meinung von Pfr. Jochmann dürfte das Urteil um 5.03 Uhr vollstreckt worden sein."Über die letzten Minuten berichtet Pfarrer Jochmann nur noch, dass Reinisch nichts mehr gesagt und eine sehr ruhige Haltung gezeigt habe.

Nun Pfr. H. Kreutzberg: In der gleichen Nacht hatte ich als Standortpfarrer in Berlin einen 22jährigen Belgier, Roger Libion, auf den Tod vorzubereiten. Er wurde am gleichen Morgen um 8.00 Uhr erschossen. Er starb eines heiligen Todes! Es war das einzige Mal in meiner dreijährigen Berliner Tätigkeit, dass ich eine Nacht zur Vorbereitung im Gefängnis zu verweilen hatte. Beide P. Reinisch und R. Libion, sind mir von den vielen Fällen, die ich gehabt habe, die denkwürdigsten geblieben!

Die Vollstreckung des Todesurteils von P. Reinisch war mir am Abend vorher telefonisch mitgeteilt worden. Um 5.00 Uhr erteilte ich P. Reinisch mit seinem Kreuz, das er mir geschenkt hatte, den Segen. Aber damit fühlte ich mich nicht zufrieden. Ich ging um den Stuhl des Belgiers, der noch Briefe an seine Angehörigen schrieb, herum, nahm das Allerheiligste und erteilte P. Reinisch damit zum letzten Male den Segen. Es war 5.03 Uhr, also wie ich am nächsten Tag erfuhr, genau die Minute seines Todes!

 

Gebet für seine Seligsprechung

 

Barmherziger Gott!

In Treue zu seinem Gewissen hat Pater Franz Reinisch

in schwerer Zeit sein Leben hingegeben

für Deine Ehre und für die Freiheit des Menschen.

Ich danke Dir für seinen Mut und sein Zeugnis.

Ich bitte Dich: Nimm ihn auf in die Schar Deiner Heiligen.

Gib mir ein lauteres und empfindsames Gewissen.

Hilf mir zu klaren und eindeutigen Entscheidungen.

Schenke mir den Mut, nach seinem Beispiel,

auch dann für die Wahrheit einzustehen,

wenn es schwer wird und Nachteile mit sich bringt.

Auf die Fürspreche von Pater Franz Reinisch

Erhöre mich in meinen Anliegen!

Dir sei Dank und Ehre in Ewigkeit. Amen.