Kunst

"Eisenhut in Feuerstein"

Steckbrief einer Skulptur von Gisela Radermacher

Im Dezember 2014 übergab die Vallendarerin Gisela Radermacher eine ganz persönliche Hommage an P. Franz Reinisch an den Postulatur des Seligsprechungsprozesses, P. Heribert Niederschlag. "Eisenhut in Feuerstein" nannte sie das Werk des Westerwälder Künstlers Hans-Bernhard Olleck, das sie selbst in Auftrag gegeben hatte. Ihr ungewöhnlicher "Schicksalsstein", der bereits seit Jahren im Besitz der Familie war, bildet die granitene "Hülle" für einen Eisenhut und reflektiert so für sie P. Reinischs eiserne Haltung gegenüber dem Nazi-Regime.

Zur Historie des ungewöhnlichen Denkmals für P. Franz Reinisch, das seit Herbst 2015 neben der alten Pforte an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar zu betrachten ist, hat Gisela Radermachen einen Steckbrief erstellt.

 

 

Steckbrief des Gedenksteins für P. Franz Reinisch

Übergeben an P. Heribert Niederschlag SAC am 20. Dezember 2014 in der Bildungsstätte Marienland in Vallendar.

 

Literatur: Urformen der Kunst von K. Blossfeldt, bibliophiles Taschenbuch, ISBN 3-88379-303-5

 

Fundort und Datum: ungefähr 1990, unbekannter Baggersee in der Niederrheinischen Bucht

 

Chemie: Mineral SiO2 , kryptokristalline Abart von Quarz.

 

Geologie: Feuerstein, dichtes Kieselgestein, Gemenge aus Chalcedon und Opal in der Kreidezeit (vor ca. 70 Mio. Jahren, Mesozoikum) entstanden bei der Diagenese (Festwerden von Lockersedimenten zu Sedimentgesteinen, Hauptfaktoren: Druck, Znit, Temperatur) von Sedimenten durch Auflösung eingebetteter Kieselorganismen (2.8. Radiolarien, Schwämme, Kieselalgen) und Wiederausfällung der Kieselsäure (SiO2) als Konkretion.

 

Verwendung durch den Menschen

Gestein dieser Art, auch Flint genannt, bildete den ältesten Rohstoff, der von Menschen zur

Herstellung von Geräten (z.B. Messern) eingesetzt wurde. Auch bei der Waffentechnik fand

Chalcedon Verwendung, zum Beispiel im Steinschlaggewehr bis 1830. Er wurde vom

Zündnadelgewehr abgelöst (Perkussion statt Steinschlag, die Schlacht bei Königgrätz wurde mit Hilfe der Perkussion gewonnen).

 

Finder: Dr. Godwin Frey, Eisenach

 

Zweitbesitzer: Dr. Gertraud Frey, Alzey

 

Drittbesitzer: Gisela Radermacher, geb. Frey, Vallendar

 

Gisela Radermacher zur Historie des Steins

„Dr. Godwin Frey fand den Stein in einem unbekannten Baggersee in der Niederrheinischen Bucht. Er lud ihn in seinen PKW und brachte ihn seiner Schwester nach Alzey. Er selbst durchlebte in dieser Zeit eine äußerst harte Phase seines Lebens.

Dr. Gertraud Frey gab dem Stein einen besonderen Standort in ihrem Garten und pflanzte mehrere Jahre lang kleine Frühblüher davor. Als sie 2005 nach langem Krebsleiden verstorben war, nahm Godwin den Stein zu sich in seinen Garten in Eisenach. Auch er schmückte ihn mit kleinen Pflanzen. 2010 erkrankte er selbst an Krebs und verstarb im November des gleichen Jahres. Vor seinem Ableben erbat ich mir den Stein aus seinem Garten. Bereitwillig überließ er ihn mir, und ich transportierte das 'Familienstück' in meinem Auto nach Vallendar. Dort stand der Stein niemals in meinem Garten. Niemanden erzählte ich von meinem Besitz und dachte ein ganzes Jahr lang nach. Da fiel mir in dem vorgenannten Büchlein: 'Urformen der Kunst' die Abbildung eines Eisenhutes

(Aconitum) auf. Meine Entscheidung war gefallen. Ich suchte den Bildhauer Olleck in Niederelbert bei Montabaur auf und übertrug ihm die Gestaltung meines 'Schicksalsteines'.

Für kurze Zeit zierte er mein Wohnzimmer und ich dachte weiter nach.

Ich erfuhr von der Gestalt des Franz Reinisch, da schloss sich der Kreis meiner Assoziationen. Für mich ist Franz Reinisch ein 'Eisenhut in Feuerstein'. Ihm übergab ich ihn am 20. Dezember 2014 durch P. Heribert Niederschlag SAC, dem Postulator des Seligsprechungsprozesses für Franz Reinisch.“