Den Überzeugungen treu bis in den Tod

„Gefährlich. Franz Reinisch. Musical über einen Aufrechten“ wird am 14. April in Bad Kissingen uraufgeführt – „Die Botschaft betrifft die ganze Gesellschaft“ – Politiker und Kirchenvertreter loben Gewissenstreue Reinischs

Fotos: Markus Hauck (POW)

Bad Kissingen (POW) Es geht um Themen wie Aufrichtigkeit, um den Umgang mit populistischen Tendenzen, darum, wie ein Mensch seinen persönlichen Lebensweg findet – und um das Gewissen: Wenn am Samstag, 14. April, „Gefährlich. Franz Reinisch. Musical über einen Aufrechten.“ im Max-Littmann-Saal in Bad Kissingen uraufgeführt wird, kommt ein Stoff auf die Bühne, der auch mehr als 75 Jahre, nachdem Pater Franz Reinisch für das Verweigern des Fahneneids auf Hitler auf dem Schafott starb, aktueller denn je ist.

„Die vergangenen Jahre waren politisch sehr bewegt – nicht nur in Deutschland. Deswegen habe ich schließlich die Anregung von Franz-Josef Tremer aus Fuchsstadt aufgegriffen, ein Bühnenstück über Franz Reinisch zu schreiben“, berichtete Komponist und Texter Wilfried Röhrig am Freitag, 23. Februar, bei einer Pressekonferenz. Diese fand im Rhön-Saale-Gründerzentrum in Bad Kissingen statt, auf dem Gelände der ehemaligen Wehrmachtskaserne. Dort war Reinisch 1942 bewusst einen Tag später als im Stellungsbefehl vorgegeben erschienen, um mitzuteilen, dass er den Fahneneid nicht leisten werde. „Ich habe beim Schreiben und Komponieren an die junge Generation gedacht: an meine Kinder und die Schüler, die ich im Religionsunterricht habe. Die sollen verstehen können, worum es Pater Reinisch ging“, sagte Röhrig. Deswegen seien die Sprache des Stücks frei von kirchlichem Jargon und der Sound der Musik an der aktuellen Pop- und Rockmusik orientiert. Arrangiert wurde die Musik von Hans-Werner Scharnowski, der im Bereich christlicher Rockmusik großes Ansehen genießt.

Für die Rahmenhandlung wählte Röhrig eine historisch verbürgte Tatsache: den Transport der Urne mit der Asche Reinischs durch einen Pallottinerpater von Berlin nach Schönstatt im Jahr 1946. „Ich habe mir lediglich die künstlerische Freiheit genommen, aus dem jungen Mann ohne Ausweispapiere, den Pater Schwan in Magdeburg traf, ein junges Pärchen zu machen, damit nicht nur Männer auf der Bühne stehen“, sagte Röhrig augenzwinkernd. Während der Zugfahrt kommen die drei ins Gespräch über das ungewöhnliche Gepäckstück des Paters. „Das Leben von Franz Reinisch kommt in Rückblenden als eine weitere Handlungsebene hinzu“, erzählte der Autor. Ursprünglich habe er geplant, das Stück in Schönstatt uraufzuführen, „dem Ort, der Reinisch entscheidend geprägt hat“. Das habe sich aber aus Zeitgründen nicht realisieren lassen. Dann habe sich die Chance ergeben, am 14. April, dem Termin des Einberufungsbescheids, im Kurtheater Bad Kissingen aufzutreten. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, nicht in eine Kirche zu gehen, denn die Botschaft betrifft die gesamte Gesellschaft.“ Etwa 40 Schauspieler, Sänger und Tänzer werden rund zwei Stunden lang auf der Bühne agieren.

Mathias Gall verkörpert Franz Reinisch. „Das Stück war meine erste Begegnung mit der Person Reinischs“, berichtete der Sänger. Für ihn als Künstler sei es das Spannende, bei nachdenklichen wie bei draufgängerischen Passagen den glaubwürdigen Tonfall zu treffen. „Reinisch ist ein Mann von Widersprüchen, aber er bleibt sich und seinen Überzeugungen treu – bis in den Tod. Das ist eine Herausforderung für mich als Darsteller, aber auch für die Zuschauer.“

„Franz Reinisch hat Zivilcourage gezeigt. Ich finde es wichtig, der Jugend von heute zu zeigen, dass genau das entscheidend ist, und darauf hinzuweisen, was das in letzter Konsequenz auch bedeuten kann“, sagte Monika Horcher, stellvertretende Landrätin des Landkreises Bad Kissingen. Zugleich zeigte sich die Politikerin erschüttert, dass Reinisch der einzige katholische Priester war, der in der Zeit der Nationalsozialisten den Eid auf Hitler verweigerte. Kay Blankenburg, Oberbürgermeister von Bad Kissingen, bewunderte den Mut, den der Geistliche gezeigt hat. „Er denkt, redet und handelt nicht so, weil andere es so tun, sondern weil er von etwas überzeugt ist.“ Er selbst hätte nicht gewusst, wie er an Reinischs Stelle entschieden hätte. „Ich bete für uns alle, dass nicht alle früher als uns lieb ist, Gelegenheit bekommen zu zeigen, wie wir uns vor 80 Jahren verhalten hätten“, sagte Blankenburg. Dass nach dem Zweiten Weltkrieg Nachkommen der Opfer des NS-Regimes wieder auf die Deutschen zugingen und zugehen könnten, liege auch wesentlich daran, dass es aufrechte Menschen wie Reinisch gegeben habe.

In Bad Kissingen hat die Verehrung Reinischs schon jahrzehntelange Tradition, sagte Pfarrer Armin Haas, der die Schönstattbewegung im der Region begleitet. „Die Schönstatter haben Reinisch schon seit langem für sich entdeckt. Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Persönlichkeitsbildung.“ Pallottinerpater Josef Kentenich, der Gründer der Schönstattbewegung, sei einer der wenigen gewesen, die damals Reinisch in seiner Entscheidung bestärkten. „Wenn Ihnen Ihr Gewissen das gebietet, dann müssen sie darauf hören!“, habe er Reinisch ermuntert. Die Aktiven der Schönstattbewegung hätten auch die Benennung einer Bad Kissinger Straße nach Reinisch und die Errichtung eines Denkmals auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne forciert. Gerd Greier, Pfarrer von Bad Kssingen, betonte dass er nichts von Reinisch gewusst habe, ehe er vor zwei Jahren die Stelle in der Kurstadt antrat. „Er wird für mich immer mehr zu einem Vorbild, wenn es darum geht, klare Positionen zu beziehen und meinem Gewissen aus dem christlichen Glauben heraus treu zu sein – auch wenn das Konsequenzen mit sich bringt, die weh tun können.“

Karten zum Preis von 20 Euro (ermäßigt 16 Euro) für die Uraufführung am Samstag, 14. April, um 19 Uhr in Bad Kissingen sind erhältlich bei der Tourist-Information im Arkadenbau am Kurgarten in Bad Kissingen sowie im Internet unter https://www.badkissingen.de/de/veranstaltungen/.

Weitere Aufführungen sind geplant:

  • am Samstag, 16. Juni, um 19 Uhr in der Pfarrkirche Sankt Martin in Bamberg,

  • am Samstag, 20. Oktober, um 19 Uhr in der Pilgerkirche in Vallendar-Schönstatt,

  • am Samstag, 3. November, um 19 Uhr im Kurtheater von Hall bei Innsbruck/Österreich sowie

  • am Sonntag, 18. November, um 17 Uhr in der Hermann-Kimling-Halle in Östringen bei Bruchsal.

    Zu dem Musical sind eine CD, eine Text- sowie eine Notenausgabe erschienen, die unter www.rigma-shop.de. erhältlich sind.

    Zur Person: Franz Reinisch im Raum Bad Kissingen

    Franz Reinisch wird am 1. Februar 1930 in Feldkirch-Altenstadt (Österreich) geboren. Er wächst in Innsbruck auf. 1922 beginnt er dort ein Jura-Studium. 1923 wechselt Reinisch nach Kiel, um dort Gerichtsmedizin zu studieren. Im Juli kehrt er nach Hause zurück mit dem Entschluss, Priester zu werden. In Innsbruck nimmt er das Studium der Theologie und Philosophie auf. 1925 tritt er in Brixen in das Priesterseminar ein. Am 29. Juni 1928 empfängt Reinisch in Innsbruck die Priesterweihe und tritt im November des gleichen Jahres in Untermerzbach in den Haßbergen bei den Pallottinern ein. 1930 legt er die erste Profess ab und wird Lektor für Philosophie. 1933 wechselt Reinisch nach Friedberg bei Augsburg, wo er im Mutterhaus der Süddeutschen Pallottinerprovinz für die Jugendarbeit zuständig ist. Durch die Priesterzeitschrift „Sal terrae“ kommt er erstmals mit Schönstatt in Kontakt. 1934 wir Reinisch Spiritual in Salzburg. 1935 versetzen die Pallottiner ihn nach Konstanz. Reinisch erkrankt an den Nieren und wird 1936 nach Hohenrechberg versetzt. 1937 erfolgt die Versetzung nach Salzburg, 1938 schickt ihn seine Gemeinschaft nach Schönstatt. Im Auftrag der Bewegung hält Reinisch in ganz Deutschland Exerzitien, Einkehrtage und Tagungen. 1940 erteilt die Gestapo ihm ein Redeverbot. Dem Wehrmacht-Stellungsbefehl zum 14. April 1942 kommt er absichtlich mit einem Tag Verspätung nach. Am 7. Juli 1942 wird er vom Berliner Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt und am 21. August 1942 in Brandenburg durch das Fallbeil hingerichtet.

    Michael Hauck (Pressestelle Bischöfliches Ordinariat Würzburg - POW)


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